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Статьи→ ИноСМИ о Черногории

   

ноябрь 2010 | ИноСМИ о Черногории
Schwarze Berge, weisse Strassen

   Ne, ne, ne… ! Mein Schrei ist eindeutig und verhindert, dass meine vollbepackte KTM 640 Adventure wie ein krankes Pferd auf die Seite fällt. Das Städtchen Kotor ist nicht nur UNESCO-Weltkulturerbe, sondern hat auch einen eigenen Motorradparkplatz, auf dem uns eine üppige Madame angesprochen hat. «Rooms?» Wir zeigen uns interessiert, sie kann aber keine Adresse angeben, sondern setzt einfach ihren Fuß auf die hintere Raste und will aufsteigen… Die milden hundert Kilo sind nicht wirklich das, was ich auf meiner Fuhre noch zusätzlich drauf haben will. Dass mich gleich am ersten Tag eine montenegrinische Schönheit umarmen will, hätte ich nicht erwartet. Mit Glück und einheimischer Hilfsbereitschaft finden wir im Dunkeln dann aber doch noch eine nette Bleibe am Westufer des Fjords.

   Montenegro – man hatte uns im Vorfeld vor vielem hier gewarnt. Vor halbmetertiefen und badewannengroßen Schlaglöchern und im Makadam scharrenden schwarzen Stieren. Vor Hornvipern, die zusammengeringelt auf den nächsten Biker warten, Kiesstreifen, die auf dem freien Land in blinden Ecken lauern, und Rinderherden auf Nationalstraßen – das alles ist nicht wahr. Okay, der Stier war plötzlich da, hinter einer Kurve des Durmitor-Sträßchens, naja, und die Rinderherde auf der E 762 auch, aber sonst...

   Die Zimmersuche bleibt dann aber das einzige kleine Problem, besonders im gebirgigen Hinterland. Ansonsten wird sich unsere Tour viel einfacher gestalten als gedacht. Wir finden in Montenegro ein Land, das geradezu geschaffen ist, um die Seele per Motorrad zu durchlüften. Kleine, kurvige, oft einspurige Sträßchen und Schotterwege durchziehen das Land, und Abwechslung ist garantiert. Ein generelles 80-km/h-Limit und Tempo 40 im Ortsgebiet sorgen für entspanntes Fahren. Für die gebückte Fraktion unter uns eher weniger geeignet, offenbart sich Montenegro für den aufrechten Enduristen mit entsprechenden Federwegen als wahres Paradies.

   Am nächsten Morgen lassen wir denneuen Tunnel und damit die Betonburgen-Küste um Budva rechts liegen und verlassen das malerische Kotor lieber Richtung Berge.

   Das kaum befahrene Sträßchen, das laut Reiseführer zu den schöns - ten Klassikern der Welt zählt, schraubt sich mit rund 30 Haarnadelkurven nach oben. Alex fährt hitzebedingt in T-Shirt, kurzer Hose und Turnschuhen – was für ein Vorbild, denke ich mir. Aber dann reißt es einen Albert Einstein mit Badeschlappen und Unterhemd an uns vorbei, natürlich helmlos, womit bewiesen wäre, dass alles relativ ist.

   Der Blick auf die Bucht von Kotor wird mit jedem Turn spektakulärer. Unser Höhenrausch endet vorläufig am Mausoleum des Dichterfürsten und Nationalhelden Petar II. Petrović-Njegoš auf 1600 Meter Seehöhe. Spektakulärer kann man seine Grabstätte kaum anlegen als auf der Bergspitze des Lovcen. Vom Kamm dieser steinernen Riesenwelle surfen wir in unzähligen Schleifen hinunter bis Cetinje. Die Stollenreifen reiben sich ja auch gerne einmal an den Flanken ab. Unser Ziel ist der Nationalpark Skadarsee. Und das angeblich schönste Dorf Montenegros, Dodosi, das an seinen Ufern liegt. Von der Lage her stimmt’s auf jeden Fall mit der Schönheit, und auch das Bad, das wir uns am Seezufluss gönnen, ist ein Genuss. Und vorher gibt’s noch eine ausgezeichnete knusprige Forelle vom Grill an der alten türkischen Brücke in Rijeka Crnojevica. Diese Landschaft fesselt uns. Die Berge versinken langsam im See, weite Wasserflächen sind mit Seerosen und Wassernüssen bedeckt, einsame Klöster schmücken die kleinen Inseln weiter draußen.

   Doch in der brütenden Julihitze ist man in den Bergen besser aufgehoben. Also ab nach Nikšić. Wir fahren der Nase nach und landen auf einer Nebenstraße, relaxt lassen wir im Stehen die Natur vorbeiziehen, die sich die Straße Stück für Stück zurückholt. Ein Sensenmann mit zerfurchtem Gesicht steht am Straßenrand. Ein schlechtes Zeichen? Nein, wir treffen noch viele, hier wird die meiste Arbeit per Hand erledigt. Ein Hund schleicht sich rechtzeitig vom Basketballfeld in der Straßenmitte. Dann, unvermittelt, geht die Gerade in Serpentinen über. Die dreifachen Leitschienen, die im luftigen Nichts über dem Abgrund endenden Bremsspuren und die Cilj-Linie zeigen uns, dass wir uns gerade auf einer Rennstrecke nach oben bewegt haben.

   Eine wunderschön einsame, sich locker durch die Berge schwingende Passstraße führt uns gegen Abend nach Nikšić, wo uns das kleine Hotel Trebjesa in ruhiger Aussichtslage auf einem Hügel empfängt – umgeben von bosnischen Kiefern, Eichelhähern und knutschenden Paaren.

   Trotz aller Romantik ist es nur ein Katzensprung bis ins Stadtzentrum. Es erweist sich als ideale Basis für unsere Touren in den nächsten Tagen.

   Als nächstes Höhenziel haben wir uns den Kapetanovo-See gewählt, der im Herzen des Maganik-Gebirges auf rund 1700 Metern liegt. Eine unbeschilderte Genusstour für Offroader und trotz unserer guten 1:150.000er-Karte nicht leicht zu finden. Aber die wenigen Schwarzbergler helfen einem gerne weiter: «Kapetanovo jezero?» – «Dva kilometara lijevo», das versteht jeder. Bereits am Vormittag bekommen wir am Weg Schnaps angeboten. Als wir endlich in der Südbucht des Kapitän-Sees ankern, fängt Kawa-Kapitän Alex plötzlich an zu überlegen. Sein Tank ist leer. Für unsere zwei Adventures mit den 27-Liter-Tanks ist das kein Thema. In einer der Hütten am See findet sich schließlich ein Kanister mit fünf Litern Benzin, gedacht für die lokale Motorsäge, und nach lingerer Überzeugungsarbeit wird er uns auch etwas widerwillig verkauft. Beim Nachfüllen lacht Alex noch – sein Eisen wird erst wieder im kroatischen Rijeka das alte sein, nach fürchterlichem Krachen und Rauchen. («Vielleicht hätt’ ich doch den Bodensatz nicht reinschütten sollen…»)

   Vor uns liegen aber noch das schmale Asphaltband durch die Hochgebirgslandschaft des Durmitor-Nationalparks und einige Schotterpassagen am Rand des Komarnica-Canyons. Wir betreten eine weite, schöne, wilde Landschaft im Cinemascope-Format. Zweifellos ist die Durchquerung des Durmitor-Nationalparks von Zabljak aus – hier gibt’s eine Tankstelle für Alex – ein Highlight auf unserer Tour. Der schwarze See (Crno jezero) wurde bereits 1907 vom damaligen König Nikola zur Schutzzone erklärt, 1952 wurde das Nationalpark-Gebiet auf 39.000 Hektar vergrößert. Es umfasst nun ein weites Hochland auf rund 1500 Meter Seehöhe, aus dem die Berge des Durmitor-Massivs herausragen. 18 Gletscherseen funkeln um die Wette, und die Hochebene wird von den gewaltigen Schluchten der Tara, Piva und Susica sowie dem Komarnica-Can yon durchschnitten. Die Tara-Schlucht ist mit einer Tiefe von 1300 Metern übrigens die gewaltigste in Europa.

   Von den 48 Zweitausendern in diesem Gebiet gefällt uns der Sedlo (Sattel) am besten. So wie er heißt, sieht er auch aus. Ein riesiger John Wayne steigt vor unserem geistigen Auge gerade in den Steigbügel. Oder auch ein bärtiger Chopper-Fahrer mit wehenden Achselhaaren.

   Die schmale Straße führt über zwei Pässe, bevor sie sich Richtung Westen in den Piva-Canyon hinuntersenkt. Sie wurde vor nicht allzu langer Zeit asphaltiert. Schade um den herrlichen Schotter eigentlich, aber gut für den Chopper-Fahrer. Jedenfalls auch besser für die Basketball spielenden Jungs, die sich einen provisorischen Platz mit Korb am Rande des Komarnica-Canyons angelegt haben. Wir fragen uns, wie das gehen soll, bei jedem Fehlwurf 1000 Höhenmeter runter in die Schlucht, den Ball holen? Oder mit einem sandgefüllten Sack trainieren? Wie auch immer, die Straße ist jedenfalls ein Gedicht, meine Kati schnurrt, als ob ich sie kraulen würde, und die Kurven zergehen auf der Zunge wie Salzburger Nockerl.

   Es gibt von Zabljak oder Trsa aus auch unbefestigte Varianten, die das Offroader-Herz höher schlagen lassen, zum Beispiel durch den Susica-Canyon. Die 75 Kilometer lange Schotter-Rundtour «Durmitor’s ring» wird auch von lokalen Veranstaltern angeboten. Ein Wunsch ist uns von den Gesichtern abzulesen – wir hätten gerne mehr Zeit für diese wunderbar naturbelassene Spielwiese mit ihren weiten Hochebenen und spektakulären Canyons.

   Nicht weniger aufregend geht’s dann am Westende des Weltnaturerbes hinunter in die Piva-Schlucht. Die Straße wird immer steiler, einige längere handgemeißelte Tunnels sind zu durchqueren. Raus aus dem gleißenden Mittagslicht, rein in das unbeleuchtete Loch, und nach ein paar Metern stellt man fest, dass da jetzt eigentlich eine Haarnadelkurve ist und man in der Gegenrichtung wieder an die Sonne geworfen wird. Also, runterschalten, langsam um die Ecke und dann die Aussicht auf den türkisen Stausee in der Tiefe genießen, den man viele Höhenmeter tiefer und im Anschluss an den letzten Tunnel auf einer Brücke überquert.

   Wieder zurück in Nikšić stellen wir fest, dass hier die größte Brauerei des Landes beheimatet ist. Nikšićko pivo bekommt man landesweit an jeder Ecke, und damit nicht genug, wir finden zwischen den Plattenbauten und kommunistischen Industrieruinen auch eine heimelige Fußgängerzone. Wie sich herausstellt, das Zentrum des sozialen Lebens. Abends füllen sich die Cafés, und es wird promeniert. 500 Meter rauf, 500 Meter runter, und nach der siebenten Korso-Runde glaubt man, dass man alte Bekannte trifft. Gefühlt tummelt sich hier ein Viertel der etwa 60.000 Stadtbewohner, und wir bewundern die überwiegend weibliche Jugend, die sich groß gewachsen, schön, elegant gekleidet und selbstbewusst auf den Catwalk begibt. Vergessen ist die üppige Begegnung vom ersten Tag, die meine KTM und mich fast flachgelegt hätte.

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Комментарии (1):

Татьяна Алексеевна

11.11.2012  00:46
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Спасибо за интереснейшую статью о горной Черногории.Жаль,что мне уже много лет.А то бы махнула вслед за Вами на байке... :  Bye
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